Ein Erbe des Medizinwissens der Majoruna
Don Pedro wurde, in der Einsamkeit des damals noch unberührten Regenwaldes, einige Bootsstunden von Tamshiyacu entfernt, als erstes von dreizehn Kindern in einer palmblattbedeckten Hütte in der Quebrado Shatto geboren. Sein Vater hatte sich im gefährlichen Gebiet zwischen den Stämmen der Majorunas und der Jivaros angesiedelt. Dass er dort überhaupt überleben konnte, hat in besonderer Hinsicht mit seiner bewegten Geschichte zu tun.

Schon als Kind wurden Don Pedros magische Fähigkeiten ganz gezielt gefördert.
Nach dem Zusammenbruch des Kautschukbooms gab es viele Spannungen zwischen Siedlern und der Urbevölkerung. Wegen des Kautschuks waren zuvor viele der Stämme am Amazonas versklavt worden. Viele Indigene fanden in jener Zeit einen grausamen Tod. Don Pedros Grossvater, lebte mitten im Urwald. Sein Sohn, Don Pedros Vater Don Jose Guerra, wurde als Kind mit acht Jahren von Mayorunas entführt. Er lebte bei ihnen, bis er erwachsen war und siedelte auch später, als er seine Familie gründete, in deren unmittelbaren Nachbarschaft, an der Grenze zu ihrem Stammesgebiet. Er war mehr Indio als Mestizo. Nur Menschen die die Mayorunas hoch schätzten, überlebten in jener Zeit in so gefährlicher Nähe. Unter den Stämmen der Mayoruna, Yagua, Jivaros und Boras hatte Jose Guerra viele Freunde. Er war vertraut mit ihrem Pflanzenwissen, ihrer Kultur, ihren alten spirituellen Traditionen und ihren Fähigkeiten, allein im Urwald auch barfuss gut überleben zu können.

Don Pedro bei der Medizin-Zubereitung.
Viele Mayorunas wurden in einer dramatischen Militäraktion im Jahre 1962 getötet oder nach Brasilien vertrieben. Don Jose Guerra war danach einer der wenigen, im Raum Tamshiyacu, der noch das umfangreiche Pflanzenwissen der Mayorunas besass. Er war Zeit seines Lebens ein hoch angesehener Pflanzenkundiger.
Als Curandero Pflanzenwissender war Don Jose Guerra weit über sein Dorf hinaus bekannt. Auch er „besass“ machtvolle und wunderschöne Icaros (Heillieder), verwendete Tabak zu Heilungsritualen, er war Palero. Zeit seines Lebens hat er Leute die zu ihm kamen behandelt, wofür er niemals Geld nahm. Das Überleben der Familie sicherte ihm seine Arbeit vor allem als Campesino. Er galt als höchst ehrenwerter und ungemein arbeitsamer Mensch.Seinen ältesten Sohn Pedro hat er von Kindheit an in den Urwald mitgenommen. Barfuss im Urwald, wurde er mit Tieren und Pflanzen vertraut, lernte seine Instinkte für das Überleben im Urwald zu schulen. Das Gebiet im amazonischen Urwald, das Don Pedro vertraut ist, hat die unvorstellbare Ausdehnung von tausend Kilometern.