Unterschiedliche Formen des Curanderismo
Unterschiedliche Lehrtraditionen und Ausbildungsformen prägen die Vielfalt der Medizinwege, die es auch jetzt noch gibt. Langjährige und für europäische Vorstellungen unfassbar harte Ausbildungen im Regenwald, gelten als Voraussetzung zum Erwerb dieses Wissens. Für Europäer ist schwer zu verstehen, was es im Wesen umfasst, wird es doch buchlos alleine durch Unterweisung durch die Geistwesen erworben. Dies scheint auch Grund für viele profunde Missverständnisse zu sein. Es gibt keine spontanen Einweihungen, obgleich es Wunder oder auch wundervolle Wege gibt, über die berichtet wird. Jede übliche Form um als Curandero Heilkunde zu betreiben, ist zuvor mit zumindest einem einjährigem, asketischen Aufenthalten in den Einsamkeiten des Urwaldes verbunden. Die Pflanzengeister gelten als die eigentlichen Lehrer dieser lebensbezogenen Tradition.
Don Pedro hat ein Jahr und acht Monate ohne Pause diese „Diät“ absolviert, war danach immer wieder für Monate auf spiritueller Diät, so dass er insgesammt dreieinhalb Jahre in einem radikalen Rückzug in den Urwald gelebt hat. Und bis heute macht er immer wieder spirituelle Diäten. Er sagt, dass ein wahrer Curandero niemals zu lernen aufhört.
Vor der offiziellen Einführung der Schulpflicht, dauerten die Ausbildungen der alten Meister Amazoniens manchmal bis zu fünfzehn Jahren, ohne einen einzigen Tag Unterbrechung der Diät. Danach galten die Absolventen als grosse Magier. Ihr Titel war „Sumi“. Man erzählt von diesen Sumis, dass sie beliebig lange unter Wasser im Reich der Sirenas leben konnten. Sie galten als unsterblich. Viele unterschiedliche Pflanzen wurden dabei diätiert und als mystische Lehrer erlebt. Der Urwald mit all seinen Wesen war Tempel und Universität dieser geheimnisvollen Magier und Heiler. Doch auch hier hat das Paradies seine Schatten. Es gibt nicht nur Heiler, es gibt auch viele Brujos – Hexer, die schwarze Magie betreiben und ihre Fähigkeiten für Geld missbrauchen. Deshalb ist es wichtig zu erkennen, wem man vertrauen kann.
Der Palero
Als Curandero zählt sich Don Pedro zur Berufsgruppe der Paleros; Don Pedro gilt als Baumschamane. Ein Baumschamane hat sein spirituelles Medizinwissen vom Geist der alten Urwaldriesen. Baumschamanen gelten noch als Träger jenes Wissens der alten Welt, das den Geist der Medizinvölker Amazoniens in seiner kraftvollsten Form zum Ausdruck zu bringen vermag. In der Hierachie der Heiltraditionen Amazoniens, gilt der Baumschamane als der Ranghöchste, ihm wird die meiste Kraft zugesprochen. In der buchlosen Kultur des alten Amazoniens, waren die Ausbildungsformen daraf ausgerichtet, die Sinne durch ausgeklügelte, härteste Diäten über Jahre so zu schärfen, dass der Dialog mit den Naturkräften zu übernatürlichen Fähigkeiten führte.